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Quo vadis, Germania?

Quo vadis, Germania?

Lesedauer: 4 Minuten
Auflösung des Hockeyweb-Gewinnspiels

Ein Kommentar zur aktuellen Lage der Nationalmannschaft.

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„Ganz gleich, wie die Spiele gegen Österreich und Ungarn ausgehen: 1954 hatten wir das Wunder von Bern; 55 Jahre später erleben wir jedenfalls unser blaues Wunder.“ So endete mein kleiner Kommentar vor einigen Tagen. Ich bin ganz ehrlich: Vor den beiden Spielen gegen „Österreich – Ungarn“ hoffte ich natürlich insgeheim, dass sich unser Team mehr oder weniger deutlich gegen diese beiden Gegner durchsetzen würde. Was dabei herauskam, war eine schmähliche 0:1-Niederlage gegen die Donau- und Alpencracks, die den sportlichen Abstieg aus der A-Gruppe bedeutete, sowie ein schmeichelhaftes 2:1 gegen eine Nation, die wir nach dem Krieg nur aus Matches der B-Gruppe kannten. Und wenn der 33-jährige Balázs Ladányi kurz vor Ende der schauerlichen Partie getroffen und damit eventuell die Verlängerung erzwungen hätte, wer weiß, welche Nationalhymne nach dem Drama intoniert worden wäre?

Jedenfalls kann man so weich die ganze Chose nicht stehen lassen und zur Tagesordnung übergehen, darauf hoffend, dass sich bis zum nächsten Turnier irgendwie wieder alles einrenkt. „Das Spiel ´Auf Schalke´ ist ja schon ausverkauft“, könnte man hämisch sagen. Es ist einfach zu viel schöngeredet worden bei dieser WM. Ob es der Bundestrainer war, der dem einen oder anderen Spieler ein „hervorragendes Turnier“ bescheinigte, die Abteilung Presse, die nicht müde wurde, eine positive Ausstrahlung zu demonstrieren und um Bundestrainer herum eine Art Schutzwall aufzubauen versuchte, oder die Spieler, die man sicher nicht der Lustlosigkeit aber auch nicht der Selbstkritik zeihen kann: Keiner haute ein einziges Mal (verbal) mit der Faust auf den Tisch. Da war Michael Hackert schon fast zu weit vorgeprescht, als er verschämt zugab, dass die Vorstellung irgendwie auch etwas mit Unvermögen zu tun gehabt hätte.

Ganz automatisch drängt sich eine Parallele zu den Tagen von Kattowitz vor neun Jahren bzw. die Unterschiede dazu auf. Da stand auch im nächsten Jahr die WM im eigenen Land auf dem Programm. Hans Zach, der in seiner Truppe nicht nur heurigen Hasen hatte, sondern auch gestandene Mittdreißiger wie Mark Kosturik, wurde Erster und somit sportlicher Aufsteiger. Und heuer? Die Adlerträger wären abgestiegen, und ich glaube auch nicht, dass das Team anders gespielt hätte, wäre sie nicht außer „Konkurrenz“ angetreten.

Kann sich die Mannschaft wirklich nur hinten hineinstellen, wie es Mannschaftskapitän Andy Renz formulierte, als er auf den Grund der damaligen Erfolge angesprochen wurde? Das Team wirkte verunsichert und ohne zündende Ideen. Der Kölner Philip Gogulla, sonst ein eiskalter Vollstrecker, zögerte frei vor dem gegnerischen Kasten und suchte seinen Mitspieler. Der andere Außen der Reihe, Michael Wolf, fand gar nicht erst statt. Einzig Michael Hackert, Dritter der ersten Formation, versuchte wenigstens noch, Strukturen ins Spiel zu bringen. Da sah es schon aus wie Verzweiflung, wenn ein unbeleckter Debütant wie Patrick Hager aus jeder Position einfach draufhämmerte. Alles andere war große, graue Masse und austauschbar, zumindest schien sie so eingestellt. Nichts gegen den jungen Moritz Müller, aber wenn ein Frischling wie der geborene Frankfurter schon zu den besseren Verteidigern gehört, kann man sich denken, wie es um die Abteilung Defensive bestellt war. Einzig allein unser Goalie war über jede negative Kritik erhaben. Was der „Scorpion“ leistete, verdient einfach Bewunderung.

Und die sportliche Leitung? Sie standen an der Bande wie die Ölgötzen. Ob ein guter Spieler auch ein guter Trainer oder Coach sein muss, ist zumindest fraglich. Es ist schon bezeichnend, dass ein hoher Funktionär darauf hinwies, dass es ja keine Alternative zu Krupp gäbe. Dann wäre der gebürtige Kölner mit Wohnsitz in den USA der einzige Mensch auf der Welt, der unersetzbar ist. Es ist einfach schlimm, was der DEB vor Turnieren verlauten lässt. Da ist die Rede vom „vollbepackten Terminkalender des Bundestrainers, der vier Spiele in fünf Tagen scoutet, bei zwei Pressekonferenzen zugegen ist und sich auch noch im Chatroom befindet.“ Würde er bei uns im Land wohnen, könnte er bequemer die Cracks unter die Lupe nehmen. Dass in offensichtlicher Nibelungentreue zu Krupp gehalten wird, ist vielen Kollegen in der Schweiz und in Österreich schlichtweg unverständlich.

Ich schätze, das krampfhafte Bemühen um eine Vermeidung der Personaldiskussion hat einen ganz anderen Grund. Die DEB-Spitze will nicht die Pferde (sportliche Leitung) vor dem Derby (der WM im eigenen Land) wechseln. Die Kritik an der Leitung nimmt schon wegen der jahrelangen Misserfolge ohnehin immer mehr zu. Die U20 sowie die U18 sind abgestiegen; unser A-Team hält nur unsere Gastgeberrolle im Rendezvous der Großen.

Nach dem Aufstieg von Amiens, dem guten Krupp´schen A-WM-Debüt von Russland und dem aus anderen Gründen verkorksten Turnier in Kanada ist der deutsche Tross in den Tagen der Schweiz dort angelangt, wohin ihn nur Pessimisten vermuteten. Wohin geht der weitere Weg von „Germania“? Wie sagte es heute morgen am Frühstückstisch ein Rosenheimer Fan höhnisch? „Wir müssen den Schwung des Sieges gegen Ungarn mit ´Auf Schalke´ nehmen.“

Werner Nieleck

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